Zensur journalistischer Arbeit?

Am 28. Mai veröffentlichte ich über YouTube den vierten Teil der “Beiträge zur Bioschmäh-Debatte”. Der Titel: „Zurück Zum Ursprung und die Hühner – Eine Anleitung zur Rezeption von Bio-Werbung“.
In diesem Beitrag dokumentierte ich einen Werbefilm der Bio-Marke von Hofer, Zurück Zum Ursprung. Binnen 3 Tagen war das Video wieder verschwunden und ich erhielt eine E-Mail von YouTube, aus der hervorging, dass mein Beitrag – aus Gründen des Urheberrechts, wie es hieß – durch Intervention des Fernsehsenders, der die Werbung für Zurück Zum Ursprung produziert und ausstrahlt, gelöscht wurde (PULS 4 TV).

Dies verwundert, da der Werbefilm von Zurück Zum Ursprung selbst über YouTube veröffentlich wurde. Dadurch unterliegt das Material offiziell der so genannten „Standard-YouTube-Lizenz“. Was dies bedeutet, geht aus Punkt 6.C der „Terms Of Use“ von YouTube hervor. Dort steht unter anderem:

“[…] You also hereby grant each user of the Service a non-exclusive license to access your Content through the Service, and to use, reproduce, distribute, display and perform such Content as permitted through the functionality of the Service and under these Terms of Service. […]”

Das bedeutet also, Zurück Zum Ursprung hat durch die Veröffentlichung des Werbefilms über YouTube zugestimmt, dass alle Menschen, die YouTube nutzen, dieses Material verwenden, reproduzieren, verbreiten, wiedergeben und vorführen dürfen („use, reproduce, distribute, display and perform“).*

Nichts anderes als das habe ich getan. Wobei ich sogar extra-vorsichtig war und ein eigenes Werk daraus gemacht habe: Ich platzierte nämlich schlicht und ergreifend meine eigene Filmkamera vor dem Computer-Bildschirm und zeichnete dann auf, wie der Werbefilm über den YouTube-Kanal von Zurück Zum Ursprung abgespielt wurde. Dies ist deutlich erkennbar, da man auch andere Teile der Website sieht, wie etwa das YouTube-Logo, die Suchmaske, weitere Videovorschläge etc.

Dann schnitt ich dieses Material in mein eigenes Video ein und unterzog es einer fachlichen, kritischen Analyse. Mein Gesamtwerk stellte ich allen interessierten Bio-KonsumentInnen zur Verfügung.

Die Löschung meines Films empfinde ich als Zensur. Sie erscheint mir noch dazu als Eliminierung journalistischer Arbeit. Ich sehe keinerlei Anlass für diese Maßnahme, da ich nicht gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen habe. Vielmehr ist mein Video aufgrund seines Zustandekommens eine filmerische Kreation mit gänzlich neuer Urheberschaft.

Da ich meinen kritischen Informationsbeitrag im Sinne des Konsumentenschutzes auf keinen Fall der Öffentlichkeit vorenthalten möchte, gebe ich eine alternative Adresse bekannt, unter der er ebenfalls aufrufbar ist:

https://vimeo.com/43301817

*) Es ist davon auszugehen, dass dieser YouTube-Veröffentlichung durch Zurück Zum Ursprung – so wie bei zahlreichen anderen Werbefilmen der Bio-Marke – auch von dem betroffenen Fernsehsender selbst zugestimmt wurde bzw. die Veröffentlichung gutiert wurde, wodurch alle beteiligten Parteien die Verbreitung und Verwendung des Videos erlauben, wie es den „Terms Of Use“ der YouTube-BetreiberInnen zu entnehmen ist.